Würzburg (POW) Beispiele für Kirchen, die zu wenig genutzt werden, die für verkleinerte Gemeinden zu groß sind oder die in direkter räumlicher Konkurrenz zu anderen Sakralbauten stehen, gibt es in Würzburg mehrere. Grund genug für die Werkstatt „Liturgische Räume für kleiner werdende Kirchengemeinden“ beim 104. Deutschen Katholikentag. Im Mutterhausareal der Erlöserschwestern in Würzburg diskutierten an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, 120 interessierte Gäste, die Theologie-Professoren Dr. Stephan Winter (Tübingen) und Dr. Martin Stuflesser (Würzburg) sowie der Mainzer Diözesanbaumeister Johannes Krämer.
„Wir haben zu viele und zu große Kirchen“, erklärte Krämer, wenngleich ihm bewusst sei, dass ein fehlendes Kirchengebäude große Lücken reißen könne. „Ich komme selbst aus einem 300-Seelen-Dorf. Wenn wir dort die Kirche abreißen, reißen wir dem Dorf die Seele aus dem Leib.“ Drei Möglichkeiten gebe es, mit einem Überangebot an Kirchen umzugehen: Weiternutzen wie bisher, gänzlich profanieren und – das sei die spannendste wie spannungsreichste Variante – die geteilte Nutzung mit geteilter Verantwortung und Trägerschaft. „So haben wir die Chance, mit Gruppen ins Gespräch zu kommen, mit denen wir als Kirche bisher wenig oder gar keinen Kontakt haben.“ Damit zusammen hingen Fragen, die entscheidend seien für das Verständnis der Kirche von sich selbst: Muss sich Heiligkeit zwingend in einem (ab-)geschlossenen Kirchenraum abspielen? Was lädt Menschen ein, sich mit dieser Heiligkeit auseinanderzusetzen?
Im Bistum Mainz beispielsweise werde derzeit ein Konzept für eine Art „Kirchenbox“ entwickelt, die in einen Kirchenraum eingesetzt werden kann. Darin könnten dann auch nichtkirchliche Angebote im sakralen Raum angeboten werden – oder womöglich, in extrem kleinen Gemeinden oder heute überdimensionierten Kirchen, auch umgekehrt. „Es ist eine große Dynamik in der Diskussion, in ganz Europa, aus der wir viel lernen können. Einfach ist sie aber nicht, und auch nicht frei von Konflikten“, meinte Winter. Sein Würzburger Kollege Stuflesser ergänzte die Frage, die sich auch im Raum einige Gäste stellten: „Wenn über die Profanierung der Kirche diskutiert wird, in der ich selbst getauft wurde, die meine Eltern womöglich nach dem Krieg selbst mit aufgebaut haben – was dann?“
In der Diskussion wurde deutlich: Die Kirche muss, wenn schon nicht im Dorf, dann zumindest erreichbar für alle bleiben – entsprechende Mobilitäts- und Nutzungskonzepte inklusive.
seh (Würzburger katholisches Sonntagsblatt)
(2126/0489; E-Mail voraus)
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